Osterlauf 2011 – Mein Halbmarathon-Debüt
Am 23.04.2011 habe ich zum 65. Osterlauf meinen ersten Halbmarathon über die Gesamtdistanz von 21,0975 km absolviert -für mich ein persönlicher U-Turn. Im September 2009 habe ich nach fast 10 Jahren endlich und endgültig das Rauchen aufgegeben. Gerade die ersten Monate waren hart und ich war entsprechend mies drauf. Ein Ausgleich musste her, um die langsam zurückkehrende Energie in sinnvolle Bahnen zu lenken. Also habe ich mir vom ersten gesparten Zigarettengeld eine Garmin Forerunner 305 gekauft. Ich fing an Kilometer zu sammeln, 2010 so an die 510 km. Für den Anfang ganz gut aber mein neues Nichraucherleben hat mich trotz Sport einige Zusatzkilos gekostet. Es mußte etwas gößeres her! Vor Weihnachten habe ich mich dann für den Halbmarathon beim 65. Osterlauf in Paderborn angemeldet. Damit hatte ich mir ein sehr sportliches Ziel gesetzt.
Am 03.01.2011 habe ich dann mein Training gestartet. Nach Feierabend wurde dann entweder gelaufen oder geschwommen, um in den verbleibenden 110 Tagen genügend Kondition auf- und vorhandene Fettreserven abzubauen. Insgesamt habe ich folgende Strecken zurückgelegt:
- 39-mal Laufen mit insgesamt 341 km Gesamtstrecke
- 17-mal Schwimmen mit insgesamt 22 km Gesamtstrecke
- 3-mal Inlineskaten mit insgesamt 56 km Gesamtstrecke
Durch eine Weisheitszahn-OP und eine Überbelastung am linken Fuß ist es zu 4 Wochen Trainingsausfall gekommen. Die 21 km konnte ich also vorab nicht mehr testen. In den letzten Tagen vor dem Osterlauf fing ich an nervös zu werden. Hat mein Training gereicht? Machen meine Beine mit? Diese und andere Fragen gingen mir durch den Kopf. Je näher der Wettkampftag kam umso mehr fing es an irgendwo zu zwicken oder zu zwacken. In der letzten Woche habe ich nicht mehr trainiert, die verlorenen Kilometer konnte ich eh nicht mehr aufholen.
Am Freitag vor dem Lauf habe ich 4 Liter Wasser getrunken und gehofft, das ich die für den heißen Tag auch irgendwo einlagern kann. Abends gab es natürlich Nudeln um den Kohlenhydratspeicher aufzufüllen. Am Samstagmorgen ein paar Brötchenhälften mit Honig gefrühstückt und die ersten 2 km schon durch rumtigern in der Wohnung absolviert. Eine gute Stunde vor dem Lauf ging es dann nach Paderborn (Heimvorteil). Es war ein sonniger Tag und mit 25°C im Schatten. Also eigentlich viel zu heiß für so einen Halbmarathon, ideal wären so um die 15°C gewesen. Naja das hat mich nicht unbedingt optimistischer gestimmt. Mein Schatz hat mir aber auf der ganzen Fahrt gut zugeredet und mich super aufgebaut! Letztlich habe ich mir gesagt ich versuche es und schau wie weit ich komme. 
Nach etlichen Toilettenbesuchen im Startbereich habe ich mich dann im hinteren Drittel des Starterfeldes eingereiht. Erstaunlicherweise kam dann doch langsam die Ruhe zurück. Wahrscheinlich weil es jetzt eh kein Entkommen mehr gab.Dann ging ein leichter Vorwärtsruck durch die Menge und Sekunden später fiel auch schon der Startschuss. 1.332 Läufer setzten sich in Bewegung. Dicht gedrängt ging es über die Startlinie und ich war erst mal damit beschäftigt meine Stoppuhr zum richtigen Zeitpunkt abzudrücken. Es ging Richtung Tegelweg / Rotheweg und ich war schon erstaunt wie viele Zuschauer an der Strecke die Läufer anfeuerten. Richtung Wohngebiete gab es immer wieder Anwohner die am Straßenrand Parties veranstaltet haben und so ordentlich Stimmung gemacht haben. Ich war ja anfangs skeptisch ohne Musik und iPod zu laufen aber es gab immer etwas an der Stecke zu entdecken. Die Leute haben uns Läufer angefeuert, so dass es nie langweilig wurde.
Die ersten 7-8 km waren daher wie ein Volksfest und ich habe mich super gefühlt. Aufgrund der Temperaturen habe ich mir vorgenommen schon an der ersten Verpflegungsstelle bei km 4 etwas zu trinken. Im Laufen hat das schon mal überhaupt nicht geklappt, da ich das natürlich vorher nicht geübt hatte. Irgendwie habe ich davon dann auch leichte Bauchschmerzen bekommen und beschlossen den nächsten Verpflegungspunkt bei km 6 auszulassen, was sich später noch rächen sollte. Es lief aber weiter alles nach Plan und ich habe meine Zwischenzeiten die ich am Arm getragen habe fast auf die Sekunde eingehalten. Mit dieser Sicherheit ging es weiter Richtung Kilometer 11, wo ich meinen Schatz an der Strecke treffen wollte. Das hat auch nach Plan geklappt und ich wurde nochmal ordentlich angefeuert. Mit neuem Antrieb ging es dann auf die letzten 10 Kilometer. Die ausgelassenen Verpflegungspunkte machten sich dann aber langsam bemerkbar. Es war unerträglich warm und der nächste Verpflegungspunkt war noch 4 Kilometer entfernt. Ich habe etwas an Tempo rausgenommen da ich keine Lust hatte zu kollabieren. Gottseidank haben wirklich viele Anwohner an der Strecke zusätzlich Wasser verteilt und mit Gartensprengern und Wasserschläuchen für Abkühlung gesorgt. Ich habe dann auch wirklich jede Dusche mitgenommen um für Abkühlung zu sorgen. Gut gekühlt ging es dann weiter und ich konnte meine weiteste Trainingsdistanz von 15 km hinter mir lassen. Die Aktionspunkte auf der Strecke waren richtig cool, Startnummer und Name wurden vorgelesen und die Zuschauer haben mich angefeuert, das hat ordentlich Vortrieb gegeben. Bei Kilometer 19 war ich dann doch recht zuversichtlich den Halbmarathon zu schaffen und habe auch einige Läufer überholt, auch die „Pros“ in ihren Kompressionsstrümpfen. Dann ging es auf den letzten Kilometer und ich habe schon gemerkt dass ich hier in einer neuen Region unterwegs war. Meine Waden wurden schwerer und ich musste noch ordentlich kämpfen.
Ich bin dann locker weitergelaufen, auf den letzten Metern wollte ich keinen Krampf oder ähnliches riskieren. Dann ging es auf die Zielgerade und ich habe dann doch nochmal Gas gegeben! Geschafft in 2:13:55 h, also meinen Plan mit 2:15 h perfekt eingehalten. Der Zieldurchlauf war unbeschreiblich, der Körper voll mit Adrenalin und Serotonin und überglücklich dieses Ziel erreicht zu haben! Mit meiner Medaille ging es dann gleich zu meinem Schatz! Irdendwie konnte ich nicht stehen bleiben, weil meine Waden tierisch angespannt waren, also ging es in Richtung Wiese um mein wohlverdientes Freibier, natürlich alkoholfrei, abzuholen. Es ist unglaublich, wie super so ein Bier nach 21 km schmecken kann.
Jetzt am nächsten Tag geht es mir erstaunlich gut, OK etwas Muskelkater in den Oberschenkeln aber keine weiteren Schäden oder sonstige Blessuren. Mich hat das Lauffieber auf jeden Fall gepackt und ich schiele schon auf den nächsten Lauf. Mein ganz besonderer Dank geht an meine Freundin Sabine, die mich die ganze Zeit und während des Laufs unterstützt hat, und die sich immer ganz sicher war das ich das schaffe.

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